East Meets West by Forceful Revision

24-07-2023

Turkey's Versailles undone on the battlefield and sealed in Lausanne 🇨🇭. The Treaty of Sèvres was overruled by the application of armed resistance. What did this mean to Weimar Germany's Versailles? 

Expulsion and extermination policies, think of the Greeks and Armenians, were condoned. It demonstrated once more the stillbirth of the British-led League of Nations.


Erste Revision

Zu Beginn des Jahres 2023 überschlugen sich Historiker und sonstige Publizisten in Deutschland förmlich in den Titeln vieler ihrer Veröffentlichungen zur hundertjährigen Erinnerung an 1923. Vom „Krisenjahr“, über „Abgrund und Totentanz“, bis zu „Trauma, Krise und Endstation“. 

[Ausschnitt]

Vice Versa Versailles (Lausanne – Brüssel 2026). Bestellen Sie bis zum Veröffentlichungsdatum im Vorverkauf Ihr Exemplar zum ermäßigten Preis, statt 44,95 im Handel, für EUR 31,50. Nach dem Erscheinungsdatum werden wir auf Sie zurückkommen und um Zahlung bitten.


Peter Finke

(1)  Murat Gökmen, 100 Jahre Vertrag von Lausanne – und dann?, in: Deutsch Türkisches Journal, 31. Januar 2023. Achtung: geschichtswissenschaftliche Fehler, die über einen Zahlendreher hinausgehen.

(2)  Christiane Schlötzer,  Der „bösartige Vertrag“ von Lausanne kostete 1,6 Millionen Menschen ihre Heimat, in: Tagesanzeiger, 20. September 2022.

(3)  Turkey's Erdogan calls for border treaty review in Greece visit, BBC News, 7. Dezember 2017.



The Lausanne Project (Universiteit Utrecht)

"100 Objects"

Greater War? Von wegen!


Ausschnitt 1v2

Der britische PM David Lloyd George, vier Jahre zuvor der siegreiche und heimliche Leiter der Pariser Konferenz, muss zurücktreten, weil seine „Greater War“-Politik gescheitert ist. Mit der Bezeichnung wird die Überleitung von den Geschehnissen zur Historiographie bzw. Erinnerungskultur hergestellt.

Seit dem unvollständig begangenen Jahrhundertgedenken zum Ersten Weltkrieg zeichnet sich eine Tendenz ab, die Dauer des Krieg neu zu definieren. Damit käme dieser nicht 1919 oder im Waffenstillstandsjahr 1918 zu Ende. „Größerer Krieg“ (1914–1923/1924) ist eine Prägung der modernen Historiographie, die u.a von Jay Winter 🇺🇸, Robert Gerwarth 🇬🇧/🇩🇪, Erez Manela 🇺🇸, Elisabeth Piller und Jörn Leonhard (beide 🇩🇪) befürwortet bzw. geteilt wird. (1)

Was kann der angloamerikanisch geprägten Konzeption von „Greater War“, dessen abschließendes Parameter 1923 hieße, entgegengehalten werden?

Ausschnitt 2v2

Wir möchten dies ablehnen. Ja, um etwa 1924 fiel der Vorhang zur Kriegslage in den kleineren Theatern, von Polen bis Irland und Griechenland. Demzufolge sollten in Weimar viele gehofft haben, dass sich die Befriedung auch im großen Theater bzw. unter dem Dach ihres Heimatlandes durchsetze. Als kleine Kommission möchten wir uns auf die Vision großer Werke einlassen. Endlich möchten wir das angelsächsisch geprägte Verständnis zum Weltkrieg durch den Aufbau einer neuen, transnational kommissionierten Geschichtsschreibung ablösen und die These des Weltkriegszeitalters als eines zweiten dreißigjährigen Krieges untermauern. Dazu muss die Geschichte des Vertrages und Völkerbundes (zwei in einem) nicht nur dekolonisiert, was geradeaus in die postkoloniale Debatte der 2010-er und 2020-er Jahre hineinpasst, sondern auch „entnazifiziert“ werden.


Peter de Bourgraaf

(1)  Robert Gerwarth (2021). The Sky beyond Versailles: The Paris Peace Treaties in Recent Historiography. In: The Journal of Modern History (Vol. 93, Nr. 4), p. 896⎼930, 924.


Share