Fanny, Petit Paris

„Das heißt nicht: réparation. Das ist séparation.“ Am 18. März 1921 wandte sich Fanny Klinck im Namen aller deutschen Frauen an den Völkerbund. Dreizehn Monate nach dem ursprünglichen Jahrhundertblogpost vom 18. März 2021, siehe unten, macht Aufa💯 damit ihr Debüt in Deutschlands Medien.
Ein faszinierendes Zeitdokument, das die Vereinigten Nationen vor kurzem veröffentlichten und als Teil einer vernachlässigten Geschichte verstanden werden soll, die insgesamt zur Aufarbeitung des Kolonialismus gehört. Zu dieser neuesten Entwicklung der Erinnerungskultur bekannte sich Ende 2020 der Rat der Stadt, aus der Fanny ihren bemerkenswerten Brief verschickte.
Eine Leipzigerin über London, League & Lloyd George
[Ausschnitt]
Was in Folge mit dem sächsischen Brief in der Vertretung von 43 Nationen unter dem Dach des verwaisten Völkerbundes passierte, ist unbekannt. Das britisch-brokered Abspringen des US-amerikanischen Waffenstillstandsgaranten im Konflikt mit dem Gründervater Woodrow Wilson (19. November 1919 und 19. März 1920) rechtfertigte die Auslegung von Verwaisung. Es kann davon ausgegangen werden, dass die weibliche Post zeitnah zu den Akten gelegt wurde. Politisches Handeln provozierte sie bekanntlich nicht. Vor dem Hintergrund der rasanten Entwicklungen im Heimatland der Autorin blieb sie ein aufschlussreiches Zeitdokument, das 2021 die Vereinten Nationen veröffentlichten und als Teil einer vernachlässigten Geschichte, die insgesamt zur Aufarbeitung des Kolonialismus gehört, verstanden werden soll. Zu dieser neuesten Entwicklung der Erinnerungskultur bekannte sich Ende 2020 der Leipziger Stadtrat. Zu unserem Debüt in den ortsansässigen Medien schwieg er bis heute.

Vice Versa Versailles. Bestellen Sie bis zum Veröffentlichungsdatum im Vorverkauf Ihr Exemplar zum ermäßigten Preis, statt 44,95 im Handel, für EUR 31,50. Nach dem Erscheinungsdatum werden wir auf Sie zurückkommen und um Zahlung bitten.
Janina Cymborski und Peter de Bourgraaf
Anmerkungen
1. United Nations Archives Geneva, L'Allemagne et les sanctions alliés - Fanny Klincks, Leipzig - Transmet un protestation, au nom des femmes allemandes, contre les sanctions ordonnées par les Puissances alliées, 2021, https://archives.ungeneva.org/lallemagne-et-les-sanctions-allies-fanny-klincks-leipzig-transmet-une-protestation-au-nom-des-femmes-allemandes-contre-les-sanctions-ordonnees-par-les-puissances-alliees.
2. Hans Poeschel. Die Kolonialfrage im Frieden von Versailles. Dokumente zu ihrer Behandlung (Berlin 1920), S. 130.
3. Durch einen britisch-britischen Coup am Beginn der Pariser Konferenz verdoppelte sich den anderen Delegationen gegenüber Englands Stärke. Zur British Imperial Delegation [Britische Reichsdelegation] unter der Führung von Jan Christiaan Smuts, siehe De Bourgraafs Hundert Jahre Urkatastrophe. Der Kolonialvertrag 1919, Göttingen: Cuvillier Verlag, 2018.

Derweil, im Osten.
Am 18. März 1921 unterzeichneten die Polnische Republik auf der einen Seite und die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR) sowie die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik (USSR) auf der anderen Seite in Riga einen Friedensvertrag. In Deutschland wurde dieser Meilenstein der europäischen Nachkriegsordnung in seiner Bedeutung unterschätzt. Die Signatarstaaten erkannten unter anderem die Unabhängigkeit von „Belarus“ an. Ironischerweise durfte das Land keine Vertreter*innen an den Verhandlungstisch entsenden. Gleichzeitig wurden die mehrheitlich von Belarus*innen bewohnten Gebiete zwischen Polen und der späteren Sowjetunion in der Mitte geteilt.(1)
1. Quelle: Deutsche Gesellschaft für Osteuropa


